Presse · Andermatt Swiss Alps Classics

Ein himmlisches Konzert des Swiss Alps Chamber Ensemble im Kloster Disentis

Als Dirigent Emmanuel Tjeknavorian als Zugabe Johann Sebastian Bachs „Air“ ankündigte, fand das himmlische Konzerterlebnis im Kloster Disentis seinen perfekten Abschluss. In der einmalig schönen Klosterkirche trat am Freitagabend das Swiss Alps Chamber Ensemble unter Leitung von Tjeknavorian und mit Unterstützung von Sopranistin Marisol Montalvo und Solist Benedikt Hellsberg (Violoncello) auf. „Ich habe ein außerirdisches Gefühl gehabt“, sagte Montalvo. Tjeknavorian schwärmte: „Es war für mich berührend, mit wie viel Herzblut alle Musikerinnen und Musiker gespielt haben und welche besondere Verbindung wir dadurch zum Publikum aufbauen konnten. Ein wahrlich unvergesslicher Abend.“

Auch der Gastgeber, Abt Vigeli Monn, war ganz hingerissen: „Es war eine wahre Freude, es war wunderschön.“ Der Geistliche erläuterte über seine zwischen 1696 und 1712 erbaute Kirche: „Es ist eine Vorarlberger Barockkirche, eine Saalkirche. Von der Akustik her ist sie einmalig. Der Hauptsaal, das Schiff, spielt mit dem Licht und mit dem Ton; es ist für Auge und Ohr eine Einheit.“

Der 26-jährige Wiener Ausnahmegeiger Tjeknavorian, inzwischen ein „Rising Star“ der internationalen Dirigenten-Szene, trat nach 2017 und 2019 bereits zum dritten Mal beim Swiss Alps Classics auf. Anlässlich des fünfjährigen Jubiläums bezeichnete er sich als „alten Hasen“ des Festivals und als „Teil der Familie“. Er und der Künstlerische Leiter Clemens Hellsberg, sein väterlicher Freund und Förderer, hatten ein Programm zusammengestellt, das die Gäste in höhere Sphären entführte. „Es ist womöglich das schönste Programm, das ich jemals in meinem Leben gemacht haben werde“, sagte Tjeknavorian. Das Konzert bestand aus Werken von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart. Einzigartig war, dass „Adagio und Fuge KV 546“ von Mozart gleich zweimal gespielt wurde, einmal am Anfang und einmal zum Schluss des offiziellen Programms. „Es ist eines der rätselhaftesten Werke innerhalb des rätselhaften, jenseits dieser Welt stehenden Gesamtœuvres Mozarts“, erläuterte Hellsberg zu dieser Idee. Marisol Montalvo überzeugte mit Mozarts berühmtem „Laudate Dominum“ und Händels nicht weniger populärer Arie „Rejoice greatly“ aus Händels Oratorium „Der Messias“.

Der Abend in Disentis war auch ein Treffen mit Familie und Freunden. Aus der Familie Hellsberg gehören der jüngere Sohn Benedikt, der als Solist von Haydns virtuosem Cellokonzert C-Dur die Herzen des Publikums eroberte (und als Zugabe einen Satz aus einer Cellosuite von Bach spielte) sowie der ältere Sohn, Dominik (Violine), seit 2017 zum Swiss Alps Chamber Ensemble. Und unter den Gästen, die grösstenteils von Andermatt über den malerischen Oberalppass in zwei reservierten Wagons der Matterhorn Gotthard Bahn anreisten, weilten der Schweizer Fussballtrainer Marcel Koller und der österreichische Beststeller-Autor Robert Schneider („Schlafes Bruder“). Beide gehören zum Freundeskreis von Hellsberg, dem ehemaligen Vorstand der Wiener Philharmoniker. Koller, der nur 30 Minuten Autofahrt von Disentis entfernt wohnt, kennt Hellsberg aus seiner Zeit als Österreichs Nationaltrainer: „Der Clemens ist auch grosser Fußballfan. Die Freundschaft hat sich entwickelt, als ich nach Wien kam. Ich habe immer Konzerte der Wiener Philharmoniker besucht, und er ist zum Fußball gekommen.“ Robert Schneider erzählte, was die wenigsten wissen dürften: „Ich bin Organist, ich habe an der Hochschule in Wien Komposition und Orgel zu studiert, aber ich habe mich dann entschieden, in der Literatur Musik zu machen.“

Das Swiss Alps Classics hat in seiner Geschichte immer wieder an wunderschönen, teils ungewöhnlichen Schauplätzen Konzerte veranstaltet. Anlässlich des fünfjährigen Jubiläums wurde das Benediktiner Kloster Disentis im Kanton Graubünden zur einzigartigen Konzertkulisse. Die Ausrichtung nach Norden verleiht der Klosterkirche im Inneren eine „Theaterbeleuchtung“ von Sonnenaufgang bis zum Abend. Kurioserweise gehört das Kloster Disentis als einziges Schweizer Kloster zur Vereinigung „Klösterreich“, in der sich Stifte und Klöster zur Förderung aller kulturellen und touristischen Aktivitäten zusammengeschlossen haben. „Diese Anekdote gefällt mir als Österreicher natürlich besonders gut“, sagte Festivalgründer Peter-Michael Reichel. „Aber in erster Linie ist das Benediktiner Kloster Disentis ein wunderschöner Ort. Wir haben uns einen Traum erfüllt, dort ein Konzert zu veranstalten. Es war wahrlich himmlisch.“

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